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Welcher Social-Media-Kanal ist der richtige für mich?
Von Victoria Thaller · Marketing- & Wachstumsexpertin · Lesezeit ca. 6 Minuten
„Wir müssten mal mehr auf Social Media machen“ – dieser Satz startet mehr wirkungslose Marketingaktivität als jeder andere. Denn er überspringt die entscheidende Frage: wo und wozu? Die Antwort ist keine Geschmacksfrage, sondern folgt aus drei Kriterien.
Die drei Kriterien der Kanalwahl
1. Wo bereitet deine Zielgruppe Entscheidungen vor? Nicht: wo verbringt sie Zeit – dort scrollt sie zur Unterhaltung. Sondern: Wo ist sie ansprechbar für dein Thema? Eine Geschäftsführerin sieht Handwerker-Videos vielleicht auf TikTok, beauftragen wird sie über eine Empfehlung, Google – oder einen LinkedIn-Kontakt.
2. Was kann dein Angebot zeigen? Visuelle Gewerke (Handwerk, Food, Design) glänzen auf Bildplattformen. Denkleistung (Beratung, Coaching, IT) überzeugt in Text und Gespräch – also dort, wo Substanz zählt.
3. Was hältst du realistisch durch? Der beste Kanal nützt nichts, wenn er nach sechs Wochen verwaist – ein totes Profil schadet mehr als keines. Rechne ehrlich: 2–3 Stunden pro Woche für einen Kanal. Mehr hat ein Unternehmen neben dem Tagesgeschäft selten.
Die Kanäle im ehrlichen Vergleich
| Kanal | Stark für | Schwach für | Aufwand |
|---|---|---|---|
| B2B, Coaches, Berater, IT, Personal Brand – direkter Draht zu Entscheidern | Lokale Privatkunden, visuelle Produkte | Mittel – Text schlägt Produktion | |
| Visuelle Angebote, lokale B2C-Marken, Einblicke hinter die Kulissen | Nüchterne B2B-Themen, ältere Zielgruppen | Mittel bis hoch – Bild/Video nötig | |
| Lokale Zielgruppen 40+, Gemeinde- und Regionalgruppen, Veranstaltungen | Junge Zielgruppen, organische Reichweite generell | Niedrig – oft Zweitverwertung | |
| TikTok | Junge Zielgruppen, Reichweitenaufbau, Ausbildungs-Recruiting | Seriöse Kaufanbahnung im B2B, planbare Anfragen | Hoch – Video-Rhythmus nötig |
| YouTube | Erklärungsbedürftige Themen, langfristige Auffindbarkeit (Suchmaschine!) | Schnelle Ergebnisse, kleine Zeitbudgets | Hoch – dafür wirken Videos jahrelang |
Die Wahrheit über „überall präsent sein“
Der Ratschlag, auf allen Kanälen sichtbar zu sein, stammt aus Konzernabteilungen mit eigenem Social-Media-Team. Für Selbstständige und KMU ist er Gift: Vier halbherzige Profile senden vier schwache Signale. Ein konsequent bespielter Kanal, der nachweislich Anfragen bringt, ist mehr wert als jede Präsenz-Sammlung. Wenn der erste Kanal läuft, kommt der zweite – am besten per Wiederverwertung: Ein Inhalt, mehrfach verwertet, ist die einzige realistische Multi-Kanal-Strategie für kleine Teams (wie das geht, zeigen die Prompt-Templates).
Und wenn die Antwort „kein Social Media“ lautet?
Auch das ist ein legitimes Ergebnis der Kanalwahl. Für viele lokale Dienstleister bringen Google Business Profil, Website und SEO deutlich mehr Anfragen pro investierter Stunde als jede Plattform – weil dort Menschen mit akutem Bedarf suchen, statt unterhalten werden zu wollen. Social Media ist ein Baustein im System, keine Pflicht. Die Strategie entscheidet – nicht das schlechte Gewissen.
Häufige Fragen
Muss ich als Unternehmen überhaupt auf Social Media sein?
Nein – Social Media ist ein Werkzeug, keine Pflicht. Es lohnt sich, wenn deine Zielgruppe dort Entscheidungen vorbereitet und du Regelmäßigkeit durchhalten kannst. Sonst sind Google Business Profil, Website und SEO meist der bessere erste Hebel.
Wie oft muss ich posten?
Seltener und dauerhaft schlägt häufig und abgebrochen: ein bis zwei substanzielle Beiträge pro Woche, dazu tägliche Interaktion in kleinen Dosen (Kommentare, Antworten). Der Rhythmus, den du in sechs Monaten noch hältst, ist der richtige.
Ich bin Coach/Beraterin – reicht LinkedIn allein?
Als Sichtbarkeitskanal oft ja – aber nur im Zusammenspiel: LinkedIn bringt Kontakte, die Website überzeugt, der Newsletter hält, wer noch nicht bereit ist. Den strukturierten Einstieg zeigt der Kurs Erste Kunden über LinkedIn gewinnen.
Victoria Thaller
Marketing- & Wachstumsexpertin, Unternehmerin, Wirtschaftspädagogin. 10+ Jahre Marketing, 4+ Jahre Geschäftsleitung eines IT-Unternehmens. Entwicklerin des Smart Marketers System und Herausgeberin des Newsletters Smart Marketers.
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